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#artworkoftheweek

Albert Anker - Doppelporträt Zimmermann-Schönauer, 1892

  

Albert Anker - Doppelporträt Zimmermann-Schönauer, 1892, Öl auf Leinwand, beide 56 x 42,5 cm

Albert AnkerDoppelporträt Zimmermann-Schönauer, 1892
Öl auf Leinwand
Beide 56 x 42,5 cm

 

Bereits während seiner Schul- und Studienzeit schuf Anker Porträts von Freunden und Familienmitgliedern und auch im Verlauf seines weiteren Werdegangs nahm Anker immer wieder Bildnisaufträge entgegen. So porträtiert der Künstler in der Blüte seines künstlerischen Schaffens auch die damaligen Besitzer des Restaurants Zytglogge in Bern – ein Treffpunkt von Künstlern und Literaten, die der Wirt um sich scharte und förderte.
Neben dem Restaurantbesitzer Alexander Zimmermann (1862–1945) und seiner Gattin Marie Lina Zimmermann-Schönauer (1862–1929) porträtierte Anker auch die Wirtstochter Alice Zimmermann.

Auf subtile Weise malt Anker die beiden Porträts von Alexander und Marie Lina Zimmermann in Dreiviertelansicht als Pendants. Vor einem einheitlich neutralen Hintergrund heben sich die fein definierten Konturen der Porträtierten ab. Ihre bürgerliche Kleidung, welche das Wirtspaar als Städter charakterisiert, ist in gleichmäßiges Licht getaucht, wobei die Faltenwürfe feinmalerisch ausgearbeitet sind und sich vom monochromen Hintergrund abgrenzen. Das Inkarnat modelliert Anker mithilfe subtiler Schatten um die Augen und rosa Farbtönen, die den Gesichtern fassbare Lebhaftigkeit und den Anschein bodenständiger Gesundheit verleihen. 
In diesen beiden Porträts verschreibt sich Ankers Malweise bis zu einem gewissen Grad noch der französisch angehauchten Malweise des Ancien Régimes, der in der Porträtmalerei weiterhin den Stil diktierte und dem sich Künstler bei Auftragswerken bevorzugt bedienten. Doch bergen diese Porträts einen innovativen, dynamischen Stil: Anker schafft hier zwei intime Bildnisse, welche die Menschen als singuläre Subjekte losgelöst von repräsentativen Zwängen festhält. 

Stadt und Land, bürgerliche und bäuerliche Atmosphäre spiegeln sich exemplarisch in Ankers Schaffen. Seine Porträts zeigen Individuen: „Etwas, worauf ich von Anfang an nach Kräften grosses Gewicht legte: das Interesse am Psychologischen, möglicherweise ein Überrest meiner theologischen Ausbildung. Es schien mir stets, dass ein Bild ohne dieses Interesse nichts ausstrahlt“, schrieb Anker 1899 dem Schriftsteller Philippe Godet.

Dank einem Zufall können diese beiden Porträts von Albert Anker nach jahrelanger Trennung in der bromer kunst wieder vereint gezeigt werden.

Zum Künstler
Albert Anker
Ins, 1831 — 1910

1836 erhält Albert Anker (1.4.1831, Bern - 16.7.1910, Bern) im Alter von fünf Jahren erstmals Zeichenunterricht bei Frédéric-Wilhelm Moritz und bei Louis Wallinger. In 1851 unternimmt Anker seine erste Reise nach Paris, wo er im Louvre Kopien Alter Meister anfertigt. Im Anschluss beginnt er ein Theologiestudium, das er 1853 jedoch abricht, um Maler zu werden. In Paris studiert er von 1855 bis 1860 an der Ecole Impériale et Spéciale des Beaux-Arts. Von 1859 bis 1885 waren seine Gemälde regelmässig im renommierten Pariser Salon vertreten. Von 1870 bis 1874 war Anker Mitglied des Grossen Rates des Kantons Bern und setzte sich dort für den Bau des Berner Kunstmuseums ein, das 1873 eröffnet wurde. 1890 gab er seinen Wohnsitz in Paris auf und zog in sein ehemaliges Elternhaus nach Ins. Am 17. November 1900 wurde er mit dem Ehrendoktor der Universität Bern ausgezeichnet.