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Zürich - Rämistrasse

Clara Porges

bis

In ihren Gemälden und Aquarellen erforschte Clara Porges (1879, Berlin – 1963, Samedan) die vom Licht umspielte Engadiner Bergwelt. Der naturverbundenen Künstlerin gelang es, die mystische Präsenz des schroffen Gebirges auf einzigartige, feinfühlige Weise einzufangen. Viele Jahre ihres Lebens verbrachte sie in Sils-Maria, einem Ort, der zu jener Zeit eine vielfältige Inspirationsquelle für zahlreiche Kunstschaffende und Intellektuelle war. Hier schuf Porges den Grossteil ihres Œuvres und fand zu ihrem unverwechselbaren Malstil, der spätimpressionistische, expressionistische sowie symbolistische Tendenzen vereinte.

Clara Porges »Gruppe Sciora (in blau nach einem Gewitter)«, undatiert, Inv.-Nr.1-2341
Clara Porges »I Cavalieri dell'Apocalisse«, undatiert, Inv.-Nr.1-2617
Clara Porges »Nymphen / Val Maroz von Maloja aus gesehen«, undatiert, Inv.-Nr.1-1518
Clara Porges »Morgensonne in den Schweizer Bergen«, ohne Jahr, Inv.-Nr.1-1342
Clara Porges »Cavloccio See mit Arve«, ohne Jahr, Inv.-Nr.1-2329

Clara Porges besuchte in Berlin die Städtische Kunstschule, die damals unter der Leitung von Max Liebermann stand. Später unternahm sie Studienreisen nach Italien und Wien, wo sie ihren künftigen Ehemann, den Wiener Violinisten Friedrich Walter Porges, kennenlernte. Das Paar verkehrte in namhaften Künstlerkreisen und gründete um 1910 in Irschenhausen das Atelier «Hollerhaus», das ein beliebter Treffpunkt der Münchner Kunstwelt war.

«Durch die Lektüre der Briefe von Friedrich Nietzsche und seines Zarathustra auf das Engadin aufmerksam gemacht, suchten wir im Juni 1911 Sils-Maria auf: Dies wurde entscheidend für unser Leben, ich fand dort mein wesentlichstes Arbeitsgebiet und wurde aufs tiefste mit der Landschaft verbunden» (Clara Porges, um 1938). In dieser intellektuell sowie spirituell anregenden Umgebung fand Porges zu einer eigenen Bildsprache, die sich durch eine aussergewöhnliche Kombination von Symbolismus und Bergmalerei auszeichnet. Der Lehre des Spätimpressionismus folgend, verzichtete sie weitgehend auf die Farbe Schwarz und erreichte mit koloristischer Malerei eine unverminderte Strahlkraft des Lichtes in ihren Bergansichten. Der symbolistische Charakter der Landschaft wird überdies durch das Umreissen der Felsformationen mit scharfen, dunklen Konturlinien unterstrichen, wodurch diese mächtig, geradezu sakral erscheinen. Porges malte die erhabene Bergwelt mal als flammenartige Landschaft (Sonnenuntergang am Silsersee in Richtung Maloja, o. J.), mal als aus der Landschaft ragende Kristallformation (Umgebung von Soglio mit Sciora Gruppe, 1914).
In ihrem Streben danach, die Bergwelt symbolistisch darzustellen, wagte es Porges zudem, die Landschaft ganzheitlich zu vermenschlichen, gut ersichtlich etwa in ihrer Arbeit Nymphen (o. J.). Die beiden in einer Dreieckskomposition arrangierten, weiblichen Körper verschmelzen mit der alpinen Landschaft, die sie umgibt und bilden selbst eine Felsformation. Sie werden zu einer allegorischen Übersetzung der Natur und so zu einem Symbol der Erhabenheit.

Trotz der damals restriktiven Bedingungen für Künstlerinnen entwickelte Clara Porges innovative Ansätze, die Natur neu zu interpretieren. So erreichte sie Ende der 1930er Jahre den Höhepunkt ihres Schaffens und vollendete das monumentale Gemälde Die apokalyptischen Reiter (vor 1938), welches sie selbst als ein Hauptwerk bezeichnete. Die Auseinandersetzung mit Tod und Leid, geprägt durch den Verlust ihres Ehemannes 1932 und der sich zuspitzenden Lage in ihrem Heimatland, fand in diesem Werk eine ekstatische Kulmination. Die Dynamik der heranreitenden Figuren, die spannungsvoll geladene Dreieckskomposition und die dramatische Lichtstimmung ergeben eine beispiellose Umsetzung der biblischen Szene.

Clara Porges war bereits in frühen Jahren ihrer Karriere in institutionellen Ausstellungen vertreten, so etwa im Kunsthaus Zürich (1920, 1922), im Kunstmuseum St. Gallen (1922), in der Kunsthalle Bern (1928) oder im Musée des Beaux Arts Lausanne (1946). Ihre Werke sind in der Sammlung des Kanton Bern sowie der Stiftung Capauliana Chur vertreten.

 

Zum Künstler
Clara Porges
Berlin, 1879 — 1963

Clara Porges (1879, Berlin – 1963, Samedan) besuchte von 1896 bis 1900 die städtische Kunstschule und die Akademie Fehr in Berlin. Studienreisen führten Porges nach Italien, Wien und auf den Spuren Nietzsches ins Engadin. Dort schuf sie mit ihren lichtdurchfluteten, mystischen Berglandschaften ihr Hauptwerk.
Die Kunstwerke von Clara Porges wurden seit 1912 und bis in die frühen 1950er Jahre in zahlreichen Ausstellungen in London, Wien, München, Leipzig, Dresden, Freiburg im Breisgau, Stuttgart, Bern und Zürich gezeigt. Dennoch ging die Künstlerin in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fast vergessen. Erst 1985 mit dem Einbezug ihrer Werke in der Ausstellung Das Oberengadin in der Malerei im Segantini Museum in St. Moritz wurde ihr künstlerisches Können erneut wahrgenommen und ihr Werk in einem grösseren Kontext von Künstlern, die sich mit dem Engadin auseinandersetzten, betrachtet.

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