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Collector's Choice: Kubanische Kunst um die Revolutionszeit

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Um die künstlerischen Einflüsse, denen der Schweizer Künstler Rudolf Häsler während seines Aufenthaltes in Kuba (1957-1969) ausgesetzt war zu veranschaulichen, widmete sich ein Teil der Retrospektiv-Ausstellung in der bromer kunst dem Kubanischen Kunstschaffen während der Revolutionszeit. 26 Werke aus der Bromer Art Collection, die Zeitspanne zwischen 1943 bis 1996 umfassend, stellten einen gewagten Einblick in die vielfältige Kubanische Kunstgeschichte dar. 

Zur Ausstellung
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Die akademische Tradition in der bildenden Kunst setzte auf Kuba mit dem beginnenden 19. Jahrhundert ein, als der französischer Historienmaler Jean Baptiste Vermay (1786-1833) erstmals eine Kunstakademie nach europäischem Vorbild in Havanna gründete. Erst in den 1940er Jahren, als Künstler wie Wilfredo Lam nach Europa reisen und dort Bekanntschaft mit den führenden Künstlern des Kubismus und des Surrealismus machen, gelangt das Gedankengut der europäischen Avantgarde nach Kuba und trägt dazu bei, dass sich Maler allmählich von der akademischen Tradition abwenden. So erinnern beispielsweise die Werke Jorge Camachos unweigerlich an die europäische Schule des Surrealismus.

Die Anfänge einer modernen Kunst sind auf Kuba ebenso wie in anderen Ländern Lateinamerikas eng mit der nationalen Identitätsfindung verbunden. So beginnt sich auf Kuba eine Kunsttradition auszubilden, die tradierte Formensprachen aus dem Ausland übernimmt, sich aber zugleich auf ihre afrokubanischen Wurzeln und ihre nationale Kultur besinnt. Diese, der kubanischen Kunst eigenen, Synthese wird beispielsweise in den Werken Antonio Argudíns ersichtlich, der um 1950 in europäisch avantgardistischer Manier kubanische Sujets auf die Leinwand bringt. 20 Jahre später malt Raúl Martínez Pop Art Porträts der führenden kubanischen Politiker und verbindet gleichermaßen eine ausländische Kunstströmung mit kubanischer Nationalgeschichte.

Auch in Kuba ist das Kunstschaffen des 20. Jahrhunderts gekennzeichnet durch eine Vielfalt vermeintlich unzusammenhängender Stilpluralismen. Die Bromer Art Collection präsentierte einen Schnitt durch das Kubanische Kunstschaffen einer politisch bewegten Epoche, welche sich unweigerlich auf die Kunstproduktion niederschlug und in der sich der Schweizer Künstler Rudolf Häsler notgedrungen wiederfand. 

Ausgestellte Werke
Ausgestellte Werke
Zum Künstler
Jorge Camacho
Kuba, 1934 — 2011

Jorge R. Camacho Lazo ( 5.1.1934, Havanna - 30.3.2011, Paris) war ein kubanischer Maler des Surrealismus. Ende der 1940er Jahre kam Camacho über seine Freundschaft mit dem Dichter Carlos M. Luis mit avantgardistischer, europäischer Kunst in Kontakt und lernte Werke von Paul Klee, Joan Miró, Yves Tanguy und Giorgio de Chirico kennen. 
1953 reiste Camacho nach Mexiko, wo er ein Jahr lang lebte und dem Künstler José Luis Cuevas begegnete - zusammen widmeten sie sich intensiven Studien der Maya-Kultur. Die Ausstellung über Wifredo Lam an der Universität von Havanna im Jahr 1955 zählt heute als grosse Inspirationsquelle für Camacho. Weiter können auch Einflüsse von Rufino Tamayo und Francis Bacon in seinen Gemälden festgemacht werden.
1955 und 1958 hatte Camacho zwei Ausstellungen in Havanna, bevor er 1959 nach Paris zog. Dort angelangt, war er sofort vom Surrealismus begeistert, der seine Kunstwerke massgeblich prägte. 1961 lernte Camacho den surrealistischen Dichter André Breton kennen und trat in die avantgardistischen Künstlerkreise ein. Bis zu seinem Tod 2011 lebte und arbeitete Camcho als Maler, Zeichner, Bildhauer, Dichter und Fotograf in Paris.