Direkt zum Inhalt
Intro
#artworkoftheweek

Cuno Amiet - Bildnis der Josefine Kaiser - Munzinger, 1907

   

Cuno Amiet - Bildnis der Josefine Kaiser - Munzinger, 1907
Öl auf Leinwand
61 x 55 cm

Cuno Amiet - Bildnis der Josefine Kaiser - Munzinger, 1907
Öl auf Leinwand
61 x 55 cm

In Cuno Amiets Oeuvre nehmen Porträts und Bildnisse einen ganz besonderen Stellenwert ein. Sein Heim in Seon war zeitweise wichtiger Treffpunkt für Künstler, Künstlerinnen, Mäzenen und Kunsthändlerinnen aus der ganzen Schweiz und dem Ausland. Viele dieser Besucher und Besucherinnen finden sich in den zahlreichen Amiet Porträts wieder. Die zahlreichen Bildnisse erscheinen dabei wie in einem Gästebuch. Viele dieser Porträts waren 2018 in der Ausstellung Cuno Amiet - Retrospektive zum 150. Geburtstag zu sehen, jedoch nicht das Bildnis der Josefine Kaiser - Munzinger, das erst später in den Bestand der Galerie bromer kunst aufgenommen wurde. Obwohl nicht von Amiet datiert, wird es stilistisch in das frühe 20. Jahrhundert geschätzt. 

Josefine wurde von Amiet in symmetrischer Frontalität dargestellt, wobei ihr Scheitel, die Brosche und ihr Halsschmuck eine vertikale Achse bilden, die diesen Eindruck von Symmetrie und Frontalität verstärkt. Ihr dunkles Kleid bildet einen farblichen Kontrast zum bunten Hintergrund. Ein dichtes Blattwerk mit vereinzelten roten Blüten wächst zu einem beinahe geordneten Muster. Der Garten erscheint so wie eine Tapete und verleiht dem ganzen Gemälde eine abstrakte, räumliche Flächenhaftigkeit.

Cuno Amiet - Bildnis der Josefine Kaiser - Munzinger, 1907
Öl auf Leinwand
61 x 55 cm

Zum Künstler
Cuno Amiet
Solothurn, CH, 1868 — 1961

Cuno Amiet (28.3.1868, Solothurn - 6.7.1961, Oschwand) malte bereits mit 15 Jahren das erste Selbstbildnis. 1884 lernte er durch seinen Vater den Maler Frank Buchser kennen, bei dem er die folgenden zwei Jahre unterrichtet wurde. Im Herbst 1886 ging Amiet nach München und studierte dort an der Akademie der Bildenden Künste. 1887 begegnete er Giovanni Giacometti, der ein lebenslanger Freund für ihn wird. Im folgenden Jahr reisten sie zusammen nach Paris und Amiet begann ein Studium an der Académie Julian. Ab 1892 war Amiet jedoch zunehmend unzufrieden mit dem Akademieunterricht und entschied sich nach Pont-Aven zu gehen, wo er Gauguin und van Gogh entdeckte und die Grundlagen für seinen Kolorismus legte.
1894 konnte Amiet in der Kunsthalle Basel ausstellen, doch stiess seine Verwendung reiner Farben bei der Kunstkritik vorwiegend auf Ablehnung. 1898 erhielt er den Auftrag, ein Porträt Ferdinand Hodlers anzufertigen, wodurch ein intensiver Kontakt zu dem Künstler entstand und Amiet sich mit dem Jugendstil auseinandersetzte.
1905 stellte Amiet in der Galerie Richter in Dresden aus, wodurch die Brücke Künstler auf ihn aufmerksam wurden. 1906 wurde er von Erich Heckel zur Mitgliedschaft eingeladen und bereits im selben Jahr beteiligte er sich an der ersten Brücke-Ausstellung in Dresden.
1914 zeigte Amiet in einer Einzelausstellung im Kunsthaus Zürich 124 Werke. 1919 wurde ihm der Ehrendoktor der Universität Bern verliehen. Heute gilt Cuno Amiet als einer der wichtigsten Wegbereiter der Klassischen Moderne in der Schweiz.