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Cuno Amiet: Die Anfänge des Künstlers - Auf der Suche nach Licht und Farbe in Pont-Aven

Die Bromer Art Collection bieten einen kleinen Überblick über Cuno Amiets (1868-1961) Oeuvre von 1894 bis 1957, wenn auch mit Lücken, umfasst die Sammlung insgesamt 12 Malereien und 4 Papierarbeiten des Künstlers. Ausgehend von den Werken aus der Bromer Art Collection soll die stilistische Vielfalt, welche Amiets Schaffen charakterisiert, aufgezeigt werden. So widmet sich dieser vierteilige Beitrag, bescheiden und unvollständig, prägenden Momenten des bewegten Lebens von Cuno Amiet.

Cuno Amiet, «Prozession in Pont-Aven», © D. Thalmann, Aarau

Cuno Amiet, "Stillleben mit Fayence und Äpfeln", undatiert, Öl auf Leinwand, 49 x 28.6 cm, © D. Thalmann, Aarau

Cuno Amiets Bildwelt umfasst hauptsächlich Landschaften, Gärten, Porträts und Stillleben. Sein Werk vermittelt alles in allem den Eindruck eines Künstlers, der sich im Wesentlichen von der sichtbaren Welt inspirieren ließ, und der die große Begabung besaß, seine Wahrnehmung der Natur in fesselnde Bildkompositionen zu übersetzen. Sein Interesse galt traditionellen Motiven, die er mit einem ausgeprägten Farbgefühl in jeder der modernen Techniken umsetzte, welche die Avantgarde vom Neoimpressionismus bis zum Expressionismus entwickelt hatte. Von den 1890er Jahren an bis zum Ende seiner langen Laufbahn als Maler war es Amiets erklärtes Ziel, harmonische Bilder zu schaffen, in denen Farbe und Zeichnung, dank der Komposition so verschmelzen, dass sie eine ideale Synthese von Sinnes- und Gefühlseindrücken zu artikulieren vermögen.

Amiets künstlerische Anfänge lassen sich in Pont-Aven verorten, dem pittoresken bretonischen Fischerdörfchen, in dem sich der 24-jährige Amiet insgesamt 13 Monate aufhielt. Angeregt von der sogenannten «Schule von Pont-Aven», einer Künstlergruppe um Paul Gauguin, erwies sich sein Aufenthalt als sehr fruchtbar. Amiet wandte sich von der akademischen Malerei, die er in München erlernt hatte, ab und begann mit reinen Farben in neoimpressionistischer Manier zu malen. Auf der Suche nach Licht und Farbe entwickelte er seine eigene Charakteristik in der pointilistischen Maltechnik. Diese beruht auf dem gleichzeitigen Wechselwirken (Simultankontrast) von kleinen benachbarten Farbtupfern. Durch optische Verschmelzung und additive Farbmischung formen sich die Farbpunkte zu Gestalten. Diesem Prinzip folgend ist der Bildinhalt des Gemäldes «Prozession in Pont-Aven» auf seine elementarsten Formen reduziert, denn der gesamte Farbeindruck einer Fläche ergibt sich erst im Auge des Betrachters und aus einer gewissen Entfernung. Ein ähnlicher Malstil lässt sich, wenn auch in einem weniger fortgeschrittenen Abstraktionsgrad, im Ölgemälde «Stillleben mit Fayence und Äpfeln» beobachten. Der Hintergrund des Gemäldes gestaltet Amiet mit kurzen, länglichen Pinselstrichen, die in den Komplementärfarben Rot und Grün gehalten sind. Auf diese Weise kreiert er einen rauschend, bewegten Hintergrund, in dem der streng symmetrisch komponierte gegenständliche Bildinhalt beinahe zu oszillieren scheint.

Während seines Aufenthaltes in Pont-Aven fand sich Amiet inmitten von avantgardistischen Künstlerkreisen wieder, diese spornten in an, mit neuen Darstellungsweisen zu experimentieren. Er brach mit der akademischen Tonmalerei und verwendete fortan reine Farben für seine Malerei. Bei seiner Rückkehr in die vorwiegend konservativ gesinnte Schweiz fand er zunächst keinen großen Anklang damit. Dennoch behaarte er auf seinen Malstil und vermochte so mit den europäischen Avantgarde-Bewegungen mitzuhalten.

Der nächste Blog-Eintrag wird uns in Amiets expressionistische Periode mitnehmen, als er zu den Mitgliedern der «Brücke»-Künstlerbewegung zählte.

Zum Künstler
Cuno Amiet
Solothurn, CH, 1868 — 1961

Cuno Amiet (28.3.1868, Solothurn - 6.7.1961, Oschwand) malte bereits mit 15 Jahren das erste Selbstbildnis. 1884 lernte er durch seinen Vater den Maler Frank Buchser kennen, bei dem er die folgenden zwei Jahre unterrichtet wurde. Im Herbst 1886 ging Amiet nach München und studierte dort an der Akademie der Bildenden Künste. 1887 begegnete er Giovanni Giacometti, der ein lebenslanger Freund für ihn wird. Im folgenden Jahr reisten sie zusammen nach Paris und Amiet begann ein Studium an der Académie Julian. Ab 1892 war Amiet jedoch zunehmend unzufrieden mit dem Akademieunterricht und entschied sich nach Pont-Aven zu gehen, wo er Gauguin und van Gogh entdeckte und die Grundlagen für seinen Kolorismus legte.
1894 konnte Amiet in der Kunsthalle Basel ausstellen, doch stiess seine Verwendung reiner Farben bei der Kunstkritik vorwiegend auf Ablehnung. 1898 erhielt er den Auftrag, ein Porträt Ferdinand Hodlers anzufertigen, wodurch ein intensiver Kontakt zu dem Künstler entstand und Amiet sich mit dem Jugendstil auseinandersetzte.
1905 stellte Amiet in der Galerie Richter in Dresden aus, wodurch die Brücke Künstler auf ihn aufmerksam wurden. 1906 wurde er von Erich Heckel zur Mitgliedschaft eingeladen und bereits im selben Jahr beteiligte er sich an der ersten Brücke-Ausstellung in Dresden.
1914 zeigte Amiet in einer Einzelausstellung im Kunsthaus Zürich 124 Werke. 1919 wurde ihm der Ehrendoktor der Universität Bern verliehen. Heute gilt Cuno Amiet als einer der wichtigsten Wegbereiter der Klassischen Moderne in der Schweiz.