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#artworkoftheweek

Cuno Amiet - Stillleben mit Zitronen, 1908

  

Cuno Amiet - Stillleben mit Zitronen, 1908
Öl auf Leinwand
55 x 60 cm

Während seines Aufenthaltes in Pont-Aven (1892-1893) fand sich Cuno Amiet inmitten von avantgardistischen Künstlerkreisen wieder, die ihn anspornten, mit neuen Darstellungsweisen zu experimentieren. Er brach mit der akademischen Tonmalerei und begann mit reinen Farben in neo-impressionistischer Manier zu malen. Bei seiner Rückkehr in die vorwiegend konservativ gesinnte Schweiz stiess er mit dem neuen Malstil zunächst auf Kritik. Dennoch blieb er seiner gefunden Ausdrucksform treu und vermochte so mit den europäischen Avantgarde-Bewegungen mitzuhalten.

In dem neo-impressionistischen Gemälde «Stillleben mit Zitronen» wird die Bildwirkung einerseits durch einen freien Umgang mit Farbe und Form sowie einer Auflösung der traditionellen Perspektive bestimmt. Auf einer Oberfläche, die mit einem groben blauen Pinselduktus zu einer in ihrer Form unfassbaren Tischablage ausgestaltet ist, präsentiert sich ein Teller mit zwei unverkennbaren Zitronen. Ein maskenartiger Puppenkopf späht hinter einer Aufwölbung des blauen Tischtuches hervor. Dahinter türmt sich ein drapiertes oranges Textil, welches das Bildzentrum bildet und ein an den Tisch gerückter Korbsessel mit einem grünen Kissen stellt den flächigen, undeutlichen Hintergrund dar.
Wie in vielen Bildern setzt Amiet in diesem Stillleben auf den Effekt von Komplementärkontrasten: hier kontrastieren leuchtende Gelbtöne mit einem leuchtenden Blau sowie ein dunkleres Orange mit einem harmonischen Grünton.

Zum Künstler
Cuno Amiet
Solothurn, CH, 1868 — 1961

Cuno Amiet (1868, Solothurn – 1961, Oschwand) gab als erster Schweizer Künstler der Farbe den Vorrang in der Komposition und gilt als Wegbereiter der modernen Malerei in der Schweiz. Als Fünfzehnjähriger malte Amiet das erste Selbstporträt, bevor er 1884 Schüler von Frank Buchser wurde. 1886 – 1888 besuchte Amiet die Akademie der Bildenden Künste in München und anschliessend die Académie Julian in Paris. 1892 ging er für ein Jahr nach Pont-Aven, wo er Paul Gauguin und Vincent van Gogh entdeckte und die Grundlagen für seinen Kolorismus legte.
Bei seiner Rückkehr in die Schweiz stiess seine Verwendung von reinen Farben auf Ablehnung. Unter dem Einfluss Ferdinand Hodlers, zu dem er bis 1905 eine enge Freundschaft pflegte, setzte er sich mit dem Jugendstil auseinander. Dann wurde die Künstlergruppe Die Brücke auf Amiet aufmerksam und gewann ihn als Mitglied (1906 – 1913). Er experimentierte erneut mit einem reinen Kolorismus und es entstand ein eigenständiges, reichhaltiges Werk, in dem vier Themen besonders hervortraten: Der Garten, die Obsternte, die Winterlandschaft und das Selbstporträt. Der Ort Oschwand, wo er sich 1898 niederliess, wurde ab 1908 zu einem Zentrum künstlerischen Schaffens und einem Treffpunkt für Kunstinteressierten.