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Intro
Cuno Amiet

Das Bildnis

Die Auseinandersetzung mit dem malerischen Porträt stellt in Amiets gesamtem Oeuvre ein konstantes Experimentierfeld dar, das dem Künstler unzählige Möglichkeiten eröffnete, verschiedene Gestaltungsprinzipien und Malstile in seine Kompositionen einfliessen zu lassen. So finden sich unter den ausgestellten Arbeiten nicht nur klassische Porträts, sondern auch allegorisch anmutende Darstellungen, die sich allesamt in ihrem Wahrheitsanspruch und somit in ihrem Ausarbeitungs- bzw. Abstraktionsgrad unterscheiden.

Cuno Amiet «Frau mit rotem Hut (Emmy)», 1893, WVZ-Nr.: 1893.02, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Während die 1893 in Amiets Frühphase gemalte Frau mit rotem Hut auf eine inszenierte Ateliersituation anspielt, in der die Porträtierte geduldig in Festtagskleidung Modell steht, repräsentiert das Gemälde Weib von 1904 eine unkonventionellere Form des Porträtierens. Ihre Anonymität lässt auf eine freie Bildschöpfung schliessen, die sich auf keine wirkliche Vorlage bezieht und der Komposition sogleich Fiktionalität verleiht. Andere Bildnisse wiederum suggerieren ein flüchtiges Einfassen der Person und somit ein ungezwungeneres Abbild des Alltäglichen.

Cuno Amiet «Das Weib», 1904, WVZ-Nr.: 1904.09, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Ferner werden die Porträtierten in manchen Gemälden gegenüber der gemalten Umgebung hervorgehoben; ihre detailgetreuen Gesichtszüge unterscheiden sich vom oftmals monochrom und unausgearbeitet gehaltenen Bildhintergrund. Im Gegensatz dazu stehen diejenigen Bildnisse, in denen die gesamte Bildfläche einen vergleichbaren Pinselduktus aufweist. Mit dem Aufgreifen derselben Farbigkeit betont Amiet in jenen Werken zudem den Eindruck, dass die Gesichtspartien der Porträtierten mit dem Hintergrund verschmelzen.

Cuno Amiet «Bildnis Juliette Trüssel», 1921, WVZ-Nr.: 1921.19, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Cuno Amiet «Der Cellospieler (Hans Münch)», 1916, WVZ-Nr.: 1916.02, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Die meisten Bildtitel verweisen darauf, dass es sich bei den Porträts um Personen handelt, die der Künstler gut kannte. Familie, Freunde und Bekannte finden sich in Amiets Gemälden gleichermassen verewigt – in ihrer Gesamtheit verkörpern sie eine Art visuelles Gästebuch der Menschen, mit welchen sich Amiet umgab und mit denen sich der Künstler in seiner Malerei persönlich auseinandersetzte.

Zum Künstler
Cuno Amiet
Solothurn, CH, 1868 — 1961

Cuno Amiet (28.3.1868, Solothurn - 6.7.1961, Oschwand) malte bereits mit 15 Jahren das erste Selbstbildnis. 1884 lernte er durch seinen Vater den Maler Frank Buchser kennen, bei dem er die folgenden zwei Jahre unterrichtet wurde. Im Herbst 1886 ging Amiet nach München und studierte dort an der Akademie der Bildenden Künste. 1887 begegnete er Giovanni Giacometti, der ein lebenslanger Freund für ihn wird. Im folgenden Jahr reisten sie zusammen nach Paris und Amiet begann ein Studium an der Académie Julian. Ab 1892 war Amiet jedoch zunehmend unzufrieden mit dem Akademieunterricht und entschied sich nach Pont-Aven zu gehen, wo er Gauguin und van Gogh entdeckte und die Grundlagen für seinen Kolorismus legte.
1894 konnte Amiet in der Kunsthalle Basel ausstellen, doch stiess seine Verwendung reiner Farben bei der Kunstkritik vorwiegend auf Ablehnung. 1898 erhielt er den Auftrag, ein Porträt Ferdinand Hodlers anzufertigen, wodurch ein intensiver Kontakt zu dem Künstler entstand und Amiet sich mit dem Jugendstil auseinandersetzte.
1905 stellte Amiet in der Galerie Richter in Dresden aus, wodurch die Brücke Künstler auf ihn aufmerksam wurden. 1906 wurde er von Erich Heckel zur Mitgliedschaft eingeladen und bereits im selben Jahr beteiligte er sich an der ersten Brücke-Ausstellung in Dresden.
1914 zeigte Amiet in einer Einzelausstellung im Kunsthaus Zürich 124 Werke. 1919 wurde ihm der Ehrendoktor der Universität Bern verliehen. Heute gilt Cuno Amiet als einer der wichtigsten Wegbereiter der Klassischen Moderne in der Schweiz.