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Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende

2016 neigt sich nun dem Ende zu und die bromer kunst blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück, das mit der Eröffnung der bisher größten Retrospektivausstellung über den Schweizer Künstler Rudolf Häsler und der Premiere des Dokumentarfilmes «Coca-Castro», seinen Höhepunkt fand.

Rudolf Häsler, Bar in Haarlem. New York, 1987, Acryl auf Holz, 68 x 102 cm

Die Ausstellung in der bromer kunst, die bis am 19. März 2017 andauert, beleuchtet anhand von Gemälden, Zeichnungen, Fotografien und Graphiken das umfassende künstlerische Werk des vielgereisten Weltbürgers. An dieser Stelle möchten wir noch auf zwei besondere Werke der Ausstellung eingehen:

Bar in Haarlem (Rudolf Häsler, Bar in Haarlem. New York, 1987, Acryl auf Holz, 68 x 102 cm) entstand während Häslers urbanen Streifzüge in der amerikanischen Metropole. Die dichten fotorealistischen Werke repräsentieren eine pulsierende, vom Konsum diktierten Welt, in der Plakate, Anschriften und Werbeflächen für allerlei Produkte werben.

Die dominierende rote Farbgebung fällt in Häslers Acrylgemälde Bar in Haarlem besonders auf: Die Ziegelmauer, die lackierte Eingangstüre und das Vordach aus Plachen-Stoff sind alle im exakt selben roten Farbton gehalten. Dennoch vermag Häsler durch gezielte Licht- und Schattensetzung die unterschiedlichen Materialitäten in ihrer charakteristischen Oberflächenbeschaffenheit nuanciert voneinander abzuheben. Sein gekonnter Umgang mit dem Licht wird auch in den Leuchtschriften und den subtilen Spiegelungen im Glasfenster erkennbar.

Die erste Überseedestination führte Rudolf Häsler in das karibische Meeresbecken nach Kuba. Dort versuchte er sich zum ersten Mal in der wirklichkeitsgetreuen Wiedergabe in seiner Malerei. Das Ölgemälde Kubanischer Fischer (Kubanischer Fischer" 1958 - 1969, Öl auf Leinwand, 135 x 90 cm) veranschaulicht Häslers Ansätze, die vielfachen Eindrücke der tropischen Karibikinsel in einer bunten Farbwiedergabe malerisch zu interpretieren. Die Vogelperspektive verleiht dem Gemälde die Dynamik einer Momentaufnahme, so scheint das Fischerboot im kristallinen Meer davonzugleiten. 

Rudolf Häsler, Kubanischer Fischer, 1958 - 1969, Öl auf Leinwand, 135 x 90 cm

Häsler verbrachte zwölf Jahre seines Lebens auf Kuba, wo er gemeinsam mit seiner kubanischen Ehefrau und seinen Kindern etliche Weihnachtsfeste feierte. Unausweichlich bediente sich damals auch Kuba tradierter amerikanischer Weihnachtsbilder; der grüne Tannenbaum wird eigens für das besinnliche Fest importiert. Doch ist “Besinnlich” nicht sonderlich trefflich für die Beschreibung der weihnachtlichen Stimmung auf der Karibikinsel.

CD-Cover, Navidad en Cuba (Weihnachten in Kuba) – Kubanische Weihnachtslieder

Wie auf dem kubanischen Weihnachtslieder-CD-Cover ersichtlich wird, schlagen die Trommeln, rasseln Maracas und ertönen Trompeten anlässlich des Festes; die Cubanos lieben das Feiern, so lassen sie es sich auch am Heilligabend nicht entgehen, das Tanzbein festlich zu schwingen.

In diesem Sinne wünscht Ihnen auch die bromer kunst ein “besinnliches Weihnachtsfest” und das Beste für das kommende Jahr!

Zum Künstler
Rudolf Häsler
Interlaken, 1927 — 1999

Rudolf Häsler (29.7.1927, Interlaken - 18.1.1999, Sant Cugat del Vallès) war ab 1947 in Interlaken als Primarlehrer tätig. Gleichzeitig nahm er aber Malunterricht und reist durch Europa. 1952 gab er seinen Lehrerberuf auf und widmete sich komplett der Kunst. Reisen in die Sahara, nach Sevilla, Granada, Italien, Jugoslawien und Andalusien folgten. 1956 lernte er in Granada die Kubanerin María Dolores Soler kennen. 1957 reiste er mit ihr in ihre Heimatstadt Santiago de Cuba und heiratete sie dort. Fasziniert von dem Land, entschied sich Häsler in Kuba zu bleiben und gründete dort eine Familie.
Auf Kuba erlebte Häsler den Höhepunkt der Kubanischen Revolution von dessen Aufbruchsstimmung er selbst begeistert war. Er wollte sich aktiv an diesem gesellschaftlichen Wandel beteiligen und schloss sich einer Künstlergruppe an, die sich insbesondere der Kunst am Bau widmete. Weiter entwickelte er ein Konzept zum Aufbau einer landesweiten Keramik-Industrie, welches von der Regierung genehmigt wurde. Er stieg zum geschäftsführenden Berater im neugegründeten Nationalinstitut für Kunstgewerbe auf und wurde 1960 zum Direktor befördert. Nach dem argentinischen Revolutionshelden Ernesto «Che» Guevara, der damalige Industrieminister, war Häsler damals der zweithöchste ausländische Abgeordnete im kubanischen Staat.