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Ferdinand Hodler - Giulia Leonardi, 1910-1911

   

Ferdinand Hodler »Giulia Leonardi«, 1910 - 1911

Ferdinand Hodler - Giulia Leonardi, 1910-1911
Öl auf Leinwand
45 x 50.8 cm

Hodler zeigt sein Modell mit frontalem Oberkörper, die Schultern entblösst, den Kopf ins Profil gedreht, was die fallende schwarze Haarpracht gut zur Wirkung bringt und zum eigentlichen Blickfang des Bildes macht. Die unvermittelte Kopfwendung und der über das Gemälde hinausweisende Blick verschaffen dem Bildnis Lebendigkeit. Die Dynamik wird durch weitere asymmetrische Bildelemente gestützt, so durch die Hand, die fallenden Schultern und die Gestaltung des Hintergrunds: Ein senkrechter Streifen am linken Bildrand und rechts eine Schräge, die ein rotes Farbfeld ausschneidet, sind die spärlichen Anhaltspunkte eines Intérieurs. Am Halswirbel in der Mittelachse des Bildes scheiden sich Licht und Schatten. Die von links hereinfallende Beleuchtung modelliert das Inkarnat in Gelb und Grün, während das Gesicht in Rottönen gehalten ist.

Dargestellt ist die aus Alessandria in Italien stammende Angela Giulia Leonardi (geborene Gallo, 1878-1942). Hodler hatte sie 1910 in einem Genfer Lokal kennengelernt, wo sie zusammen mit ihrem Mann in einem Gitarrenquartett auftrat. Sie war eines der beliebtesten Modelle des Künstlers, der ihr angeblich pro Tag Fr. 5.- bezahlte, unabhängig davon, ob sie Modell stand oder nicht. Die Italienerin Leonardi diente Hodler für symbolistische Figurenkompositionen, so für «Schreitendes Weib» und für «La Romanichelle». Daneben malte er in den Jahren 1910 und 1911 siebzehn «Modellbildnisse» einschliesslich das hier vorgestellte. Obwohl einzelne dieser Bildnisse bei Figurenbildern Verwendung fanden, sind diese Brustbildnisse nicht primär als Studien dazu, sondern als eigenständige Werke zu werten. In den Bildnissen der Giulia Leonardi erprobte Hodler die vielfältigen formalen Möglichkeiten, die sich aus den verschiedenen Kopfhaltungen im Bildgeviert ergeben.

Hodler hat zahlreiche seiner Werke nach Fertigstellung nochmals überarbeitet, oft, nachdem die Bilder bereits gerahmt waren. Darauf deuten auch beim hier vorgestellten Bildnis Farbversetzungen am linken Rand hin. An der Schulter rechts hat er die Schattenpartie mit grüner Farbe verstärkt, wobei er den unter Infrarotlicht heute noch deutlich sichtbaren Buchstaben «F» versehentlich übermalte.

Dieses und andere Kunstwerke von Ferdinand Hodler sind zurzeit in unserem Schaulager an der Rämistrasse 3 in Zürich ausgestellt.

Ferdinand Hodler »Giulia Leonardi«, 1910 - 1911

Ferdinand Hodler »Giulia Leonardi«, 1910 - 1911