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Rudolf Häsler

Interlaken, 1927 — 1999

Rudolf Häsler (29.7.1927, Interlaken - 18.1.1999, Sant Cugat del Vallès) war ab 1947 in Interlaken als Primarlehrer tätig. Gleichzeitig nahm er aber Malunterricht und reist durch Europa. 1952 gab er seinen Lehrerberuf auf und widmete sich komplett der Kunst. Reisen in die Sahara, nach Sevilla, Granada, Italien, Jugoslawien und Andalusien folgten. 1956 lernte er in Granada die Kubanerin María Dolores Soler kennen. 1957 reiste er mit ihr in ihre Heimatstadt Santiago de Cuba und heiratete sie dort. Fasziniert von dem Land, entschied sich Häsler in Kuba zu bleiben und gründete dort eine Familie.
Auf Kuba erlebte Häsler den Höhepunkt der Kubanischen Revolution von dessen Aufbruchsstimmung er selbst begeistert war. Er wollte sich aktiv an diesem gesellschaftlichen Wandel beteiligen und schloss sich einer Künstlergruppe an, die sich insbesondere der Kunst am Bau widmete. Weiter entwickelte er ein Konzept zum Aufbau einer landesweiten Keramik-Industrie, welches von der Regierung genehmigt wurde. Er stieg zum geschäftsführenden Berater im neugegründeten Nationalinstitut für Kunstgewerbe auf und wurde 1960 zum Direktor befördert. Nach dem argentinischen Revolutionshelden Ernesto «Che» Guevara, der damalige Industrieminister, war Häsler damals der zweithöchste ausländische Abgeordnete im kubanischen Staat.

Der nachfolgende Wandel der Regierung hin zu einem zunehmend totalitären und militaristischen Regime war für Häsler ernüchternd. Die Geheimpolizei hatte ein Auge auf ihn geworfen und 1963 verlor er seinen Posten. Es wurden gefälschte Dokumente über ihn veröffentlicht, die ihn als ehemaliges SS-Mitglied sowie als CIA Spion der USA verleumdeten.
Häsler zog sich folglich aus dem öffentlichen Leben zurück und konzentrierte sich auf seine Karriere als freischaffender Künstler. 1969 konnte er nach einem langen, nervenaufreibenden Genehmigungsprozess endlich mit seiner Familie aus Kuba ausreisen. Sein Leben in Kuba hielt Häsler in dem 1984 veröffentlichten Buch Kuba – Freiheit oder Terror: Ein Maler erlebt die Revolution fest.
Ab 1970 lebte Häsler in Sant Cugat del Vallès in der Provinz Barcelona. In den 1990er Jahren führten ihn Studienreisen nach Algerien, Tanger, Wien und in die Türkei. 

Bekannt wurde Häsler vor allem durch seine realistischen, teilweise auch hyperrealistischen Gemälde und Zeichnungen, die ab Ende der 1960er Jahre, nach seiner Zeit in Kuba, entstanden und Vergleiche mit dem Schaffen von Franz Gertsch, Ralph Goings oder Antonio López Garcia erlauben. 1989 wurde ihm eine grosse Retrospektive in Barcelona gewidmet. Da viele seiner Gemälde im Zusammenhang mit seinen Reisen durch die arabische Welt entstanden, wird Häsler auch der Schule der Orientalisten zugerechnet.

 

Ausstellungen (Auswahl)

2017 Rudolf Häsler, Homenatge en el 90è aniversari del seu naixement (1927-1999), Kreuzgang des Klosters von Sant Cugat del Valles, Barcelona.
2016/17 Rudolf Häsler – Retrospektive, bromer kunst, Roggwil.
2016 Die Magie des Realen, Kunsthaus Interlaken.
2010 Retrospektive, Museum Sant Cugat del Vallès, Barcelona.

Literatur (Auswahl)

Rudolf Häsler. Homenatge en el 90è Aniversari del seu naixement (1927-1999), Barcelona 2017.
Rudolf Häsler: Cuba - Libertad o Terror (erste spanische Auflage), Roggwil: Edition Bromer, 2017.
Rudolf Häsler: Kuba - Freiheit oder Terror, Roggwil: Edition Bromer, 2017.
Rudolf Häsler, ein Weltbürger, Roggwil: Edition Bromer, 2017.
Rudolf Häsler, Alejandro Häsler: Quiasma – la mirada del otro, Sevilla 2003.
Rudolf Häsler, Ausstellungskatalog, Barcelona 2010.
Rudolf Häsler. 1971–89. La obra/Das Werk, Imagen y texto/Bild und Text, Barcelona 1989.
Rudolf Häsler: Kuba – Freiheit oder TerrorEin Maler erlebt die Revolution, Derendingen 1984.
Rudolf Häsler – Leben und Werk, Derendingen 1982.

Links

Die unglaubliche Geschichte des Interlakner Malers Rudolf Häsler in Kuba, in: Jungfrau Zeitung (Juni 2003)
Rudolf Häsler, pintor hiperrealista suizo, in: EL País (Januar 1999)
Portrait Rudolf Häsler, Fidels Direktor, in: NZZ Folio (Februar 1992)

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