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Künstlerpräsentation

Ignaz Epper - Ecken und Kanten

   

Ignaz Epper - Vier Figuren, o.J.

Ignaz Epper, geboren 1892 in St. Gallen, wuchs in bescheidenen und schwierigen Familienverhältnissen mit einer streng katholischen Erziehung auf. Nach der Ausbildung zum Stickereizeichner wurde er als Entwerfer bei der Firma Selig, St. Gallen angestellt und nach Berlin geschickt. Dort entschloss er sich gegen den Willen der Familie, eine Laufbahn als Künstler einzuschlagen. Er ging nach Weimar und München und erhielt für seine Zeichnungen 1913 ein Eidgenössisches Kunststipendium. Folglich entstanden die ersten Holzschnitte und Lithografien, in denen sein handwerkliches Talent sowie sein charakteristischer, stark expressionistischer Stil bereits erkennbar sind. Von 1914 bis 1918 wurde er für den Grenzdienst eingezogen; während dieser Zeit schuf Epper zahlreiche Holzschnitte und Zeichnungen, die die Ängste und harten Verhältnisse des Kriegs sichtbar machen. 1916 lernte er den Zürcher Kunsthändler und seinen künftigen Förderer Han Coray kennen. 1917 begegnete er in Basel dem Maler Fritz Pauli, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden wird.

Nach dem Grenzdienst heiratete er im September 1919 die Künstlerin Mischa Quarles van Ufford und hielt sich oft in Arosa und Ascona auf. Zahlreiche Reisen, unter anderem nach Nordafrika und in das pyrenäische Künstlerdorf Collioure, folgten. Ignaz Epper nahm regelmässig an den Gruppenausstellungen der GSMBA teil und wurde Mitglied der Grafikervereinigung Walze und später des Graphischen Kabinetts. 1932 siedelte er endgültig nach Ascona über und gründete dort 1937 das Marionettentheater der Asconeser Künstler. Mit dem Wechsel des Wohnortes veränderte sich auch Eppers Kunst. Vermehrt verwendete er nun Öl- und Aquarellfarben und widmet sich idyllischen Landschaftsszenerien, Aktdarstellungen sowie religiösen Motiven. Besonders während des Zweiten Weltkrieges zog er sich immer mehr zurück. Nach Kriegsende folgten Reisen nach Spanien, Italien und Holland und er kam mit Carl Gustav Jung und dem Eranos-Kreis in Kontakt, eine esoterische Gruppierung in Ascona, die ihn stark prägte. 1964 wird ihm eine Retrospektive im Stadthaus Zürich gewidmet und seine zwischen 1917 und 1955 entstandenen Holzschnitte ausgestellt. Im selben Jahr erlitt sein Künstlerfreund Fritz Pauli einen Schlaganfall, der diesen bis zu seinem Tod 1968 lähmte. Und auch Epper befiel ein ähnliches Schicksal im Todesjahr seines Freundes: eine Hirnembolie führte zu einer Lähmung seines linken Armes, was für ihn die Arbeit erschwerte oder gar unmöglich machte.
1969, mit 77 Jahren, entschied sich Ignaz Epper für den Freitod. Seine schwierige Kindheit geprägt durch einen alkoholkranken Vater und eine Mutter, die sich stets wünschte, dass ein Märtyrer aus ihm werde, scheinen bis zu seinem Lebensende belastend für den Künstler gewesen zu sein und zu einer inneren Zerrissenheit geführt zu haben. Diese psychische Labilität, sicherlich durch die Lähmung verstärkt, führte womöglich dazu, dass Ignaz Epper sich für einen sehr radikalen Weg aus dem Leben entschied: durch Selbstverbrennung in seinem Garten in Ascona.

Epper gilt als ein Hauptvertreter des schweizerischen Expressionismus, was hauptsächlich auf sein zeichnerisches und druckgrafisches Werk der 1910er- und 1920er-Jahre zurückzuführen ist. Seine Kreidezeichnungen und Holzschnitte sind von einer kantigen, vereinfachenden und verzerrenden Formensprache geprägt. Diese frühen Werke zeigen meist düstere Motive, die Gewalt und Leiden bekunden. Im Zentrum steht die menschliche Figur, die sehr stilisiert auftritt: die Gestalten zeichnen sich durch einen knochigen Körperbau und verhältnismässig grosse, stechende Augen aus. Eppers Frühwerk besitzt eine eigene unverkennbare Sprache, die sich zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit bewegt, und stellt einen eigenständigen und unverwechselbaren Beitrag zur schweizerischen Kunst dar.

 

Werke von Ignaz Epper können direkt über unsere Online Plattform durchstöbert, angefragt oder erworben werden.

Ignaz Epper - Promenade, 1927

Ignaz Epper - Überfahrt mit Selbstbildnis, ca. 1920

Ignaz Epper - Bahngleise, 1922