Direkt zum Inhalt
Intro
#artworkoftheweek

Ignaz Epper - Industrielandschaft, um 1918-1920

   

Ignaz Epper - Industrielandschaft, um 1918-1920
Kreide auf Papier
23 x 31 cm

Ignaz Epper, geboren 1892 in St. Gallen, wächst in bescheidenen und schwierigen Familienverhältnissen mit einer streng katholischen Erziehung auf. Nach der Ausbildung zum Stickereizeichner wird er als Entwerfer bei der Firma Selig, St. Gallen angestellt und nach Berlin geschickt. Dort entschliesst er sich gegen den Willen der Familie, eine Laufbahn als Künstler einzuschlagen. Er geht nach Weimar und München und erhält für seine Zeichnungen 1913 ein Eidgenössisches Kunststipendium. Folglich entstehen die ersten Holzschnitte und Lithografien, in denen sein handwerkliches Talent sowie sein charakteristischer, stark expressionistischer Stil bereits erkennbar werden. Von 1914 bis 1918 wird er für den Grenzdienst eingezogen; während dieser Zeit schuf Epper zahlreiche Holzschnitte und Zeichnungen, die die Ängste und harten Verhältnisse des Krieges sichtbar machen.

Epper gilt als ein Hauptvertreter des schweizerischen Expressionismus, was hauptsächlich auf sein grafisches Werk der 1910er- und 1920er-Jahre zurückzuführen ist. Seine Holzschnitte und Zeichnungen sind von einer vereinfachenden und verzerrenden Formensprache geprägt. Diese frühen Werke besitzen eine eigene unverkennbare Sprache, die sich zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit bewegt, und stellen einen eigenständigen und unverwechselbaren Beitrag zur schweizerischen Kunst dar.

Industrielandschaft zeigt eine perspektivisch verzerrte Ansicht auf zahlreiche Fabrikgebäude, aus deren Kaminen Rauch qualmt. Die expressiven, starken Kreidestriche erfassen die Landschaft in wenigen, schnellgezogenen Linien. Diese wirken dabei fast wie Schnitte im Papier und zeugen von einer gewissen Aggressivität. Auch Himmel und Wasser bestehen aus einigen starken, geraden Linien, was sehr ungewöhnlich erscheint, da Wasser und Wolken eher mit runden, wellenartigen Formen assoziiert werden.
Zwei kleine, angedeutete Figuren flanieren im Vordergrund am Flussufer entlang. Über Ihnen erheben sich schon fast bedrohlich und mächtig die Industriegebäude. Auffällig ist die Mauer, die die Menschen und die Natur im Vordergrund von der Industrie im Hintergrund trennt. Sie spannt sich wie ein Gürtel über das Bild, wird jedoch von einer Treppe unterbrochen, die die beiden Bild- und Lebensbereiche verbindet.
Die Arbeit besticht durch spannungsvolle formale und inhaltliche Kontraste: Horizontale und Vertikale, Hell und Dunkel, Ruhe und Arbeit, Natur und Industrie.

Zum Künstler
Ignaz Epper
St. Gallen, 1892 — 1969

Ignaz Epper, geboren 1892 in St. Gallen, wuchs in bescheidenen und schwierigen Familienverhältnissen mit einer streng katholischen Erziehung auf. Nach der Ausbildung zum Stickereizeichner wurde er als Entwerfer bei der Firma Selig, St. Gallen angestellt und nach Berlin geschickt. Dort entschloss er sich gegen den Willen der Familie, eine Laufbahn als Künstler einzuschlagen. Er ging nach Weimar und München und erhielt für seine Zeichnungen 1913 ein Eidgenössisches Kunststipendium. Folglich entstanden die ersten Holzschnitte und Lithografien, in denen sein handwerkliches Talent sowie sein charakteristischer, stark expressionistischer Stil bereits erkennbar werden. Von 1914 bis 1918 wurde er für den Grenzdienst eingezogen; während dieser Zeit schuf Epper zahlreiche Holzschnitte und Zeichnungen, die die Ängste und harten Verhältnisse des Kriegs sichtbar machen. 1916 lernte er den Zürcher Kunsthändler und seinen künftigen Förderer Han Coray kennen.
Nach dem Grenzdienst heiratete er im September 1919 die Künstlerin Mischa van Ufford und hielt sich oft in Arosa und Ascona auf. Zahlreiche Reisen, unter anderem nach Nordafrika und in das pyrenäische Künstlerdorf Collioure, folgten. Ignaz Epper nahm regelmässig an den Gruppenausstellungen der GSMBA teil und wurde Mitglied der Grafikervereinigung Walze und später des Graphischen Kabinetts. 1932 siedelte er endgültig nach Ascona über und gründet dort 1937 das Marionettentheater der Asconeser Künstler. 
Epper gilt als ein Hauptvertreter des schweizerischen Expressionismus, was hauptsächlich auf sein zeichnerisches und druckgrafisches Werk der 1910er und 1920er Jahre zurückzuführen ist. Seine Kreidezeichnungen und Holzschnitte sind von einer vereinfachenden und verzerrenden Formensprache geprägt. Diese frühen Werke zeigen meist düstere Motive, die Gewalt und Leiden bekunden. Im Zentrum steht die menschliche Figur, die sehr stilisiert auftritt. Eppers Gestalten zeichnen sich durch einen knochigen Körperbau und verhältnismässig grosse, stechende Augen aus. Diese frühen Arbeiten besitzen eine eigene unverkennbare Sprache, die sich zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit bewegt, und stellen einen eigenständigen und unverwechselbaren Beitrag zur schweizerischen Kunst dar.