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Inspirationen in der Bretagne – Ein Frühwerke von Amiet ist Teil der Bromer Art Collection

Die künstlerische Ausbildung des jungen Amiet begann 1886 in München, wo er ein Jahr später auch den gleichaltrigen Giovanni Giacometti kennenlernte. Daraus sollte sich im Laufe der Zeit eine lebenslange Freundschaft entwickeln.

Cuno Amiet, «Prozession in Pont-Aven», © D. Thalmann, Aarau

Einen bedeutsamen Entschluss fassten die beiden, nachdem sie die Internationale Kunstausstellung im Münchner Glaspalast gesehen hatten: Fasziniert von den französischen Meistern, verliessen die beiden 1888 Deutschland und begannen an der Académie Julian in Paris zu studieren. Dort teilten sie sich eine gemeinsame Unterkunft mit Atelier und kamen auch schon bald mit dem Schweizer Künstlerkreis um Max Leu und Hans Emmenegger in Kontakt. Im Laufe des Studiums an der Académie Julian merkte Amiet jedoch mehr und mehr, dass er «in eine Sackgasse geraten war», wie er es selbst beschreibt. «[...] als ich im vierten Pariser Studienjahr, da es so gar nicht mit mir vorwärtsgehen wollte, verloren durch die Strassen lungerte, gab mir der Ungar Poll den Rat: Geh zu Marie-Jeanne nach Pont-Aven...». Frustriert vom starren akademischen Unterricht beschloss Amiet den Rat des Malers Hugo Poll zu befolgen und von Paris in die Bretagne, nach Pont-Aven zu reisen.
Im Mai 1892 erreichte der 24-jährige Amiet das kleine Fischerdorf Pont-Aven. Wie viele andere Künstler damals wohnte auch er in der Pension von Marie-Jeanne Gloanec, einer bodenständigen, fröhlichen Bretonin um die fünfzig, die «ihre» Künstler wie eine Mutter bewirtschaftete und verpflegte. Obwohl es nur einige Monate waren, erwies sich für Amiet die Zeit in Pont-Aven als sehr fruchtbar. Durch das anregende Klima entwickelte er in dieser Zeit auch seine eigene Charakteristik. Er wandte sich von der akademischen Tonmalerei ab und begann mit reinen Farben zu malen, die er in betont konturierten Flächen oder in dicht nebeneinander gesetzten Strichen auf den Bildträger auftrug. «Dreizehn Monate konnte ich im schönen Pont-Aven verweilen und dann musste ich Frankreich verlassen, mein Frankreich, das ich herzlich liebte, das mich beherbergt hatte wie einen seiner Söhne, das mir freiwillig seine schöne Seele offenbarte durch die Kunst. Wenn auch mit leeren Taschen, so doch reich beschenkt mit Gütern höherer Art, kam ich jetzt in meine Heimat zurück».

Die «Prozession in Pont-Aven» gehört zu dem schmalen Werk, das während Amiets Aufenthalt in der Bretagne entstanden ist. Die interessante Darstellung einer traditionellen «Pardon», einem religiösen Umzug zu Ehren lokaler Heiliger, ist ohne seine Auseinandersetzung mit dem Werk seiner bretonischen Vorbilder, vorab Gauguin und Van Gogh, undenkbar. Die Farbe in dicken Strichen aufgetragen, das leuchtende Weiss der Trachtenhauben bewusst hingetupft, den Bildinhalt auf seine elementarsten Formen reduziert – so drückt Amiet seine ganz eigene und überraschend neue malerische Freiheit aus.

Zum Künstler
Cuno Amiet
Solothurn, CH, 1868 — 1961

Cuno Amiet (28.3.1868, Solothurn - 6.7.1961, Oschwand) malte bereits mit 15 Jahren das erste Selbstbildnis. 1884 lernte er durch seinen Vater den Maler Frank Buchser kennen, bei dem er die folgenden zwei Jahre unterrichtet wurde. Im Herbst 1886 ging Amiet nach München und studierte dort an der Akademie der Bildenden Künste. 1887 begegnete er Giovanni Giacometti, der ein lebenslanger Freund für ihn wird. Im folgenden Jahr reisten sie zusammen nach Paris und Amiet begann ein Studium an der Académie Julian. Ab 1892 war Amiet jedoch zunehmend unzufrieden mit dem Akademieunterricht und entschied sich nach Pont-Aven zu gehen, wo er Gauguin und van Gogh entdeckte und die Grundlagen für seinen Kolorismus legte.
1894 konnte Amiet in der Kunsthalle Basel ausstellen, doch stiess seine Verwendung reiner Farben bei der Kunstkritik vorwiegend auf Ablehnung. 1898 erhielt er den Auftrag, ein Porträt Ferdinand Hodlers anzufertigen, wodurch ein intensiver Kontakt zu dem Künstler entstand und Amiet sich mit dem Jugendstil auseinandersetzte.
1905 stellte Amiet in der Galerie Richter in Dresden aus, wodurch die Brücke Künstler auf ihn aufmerksam wurden. 1906 wurde er von Erich Heckel zur Mitgliedschaft eingeladen und bereits im selben Jahr beteiligte er sich an der ersten Brücke-Ausstellung in Dresden.
1914 zeigte Amiet in einer Einzelausstellung im Kunsthaus Zürich 124 Werke. 1919 wurde ihm der Ehrendoktor der Universität Bern verliehen. Heute gilt Cuno Amiet als einer der wichtigsten Wegbereiter der Klassischen Moderne in der Schweiz.