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Pierre-Paul Girieud - Les Baigneuses ou Petit Lesbos, 1910

   

Pierre-Paul Girieud - Les Baigneuses ou Petit Lesbos, 1910
Öl auf Leinwand
76 x 97 cm

Das abgebildete Motiv von Pierre-Paul Girieud reiht sich in die lange kunsthistorische Tradition der Darstellung von Badenden ein. Er platziert die Szenerie in eine ockerfarbene, hügelige sowie karge Uferlandschaft, welche diagonal von einem türkisen Gewässer durchtrennt wird. Am flach gehaltenen Küstenstreifen ruhen eng beieinander und in stiller Kontemplation insgesamt elf gänzlich entblösste, weibliche Figuren. Paarweise arrangiert, verweilen sie in liegender, stehender, kniender als auch kauernder Position. Am linken Bildrand findet sich ferner eine weitere weibliche und ebenfalls entkleidete Gestalt; die Arme hoch erhoben und mit dem Rücken zur betrachtenden Person treibt sie im stillen Wasser auf einem kleinen Segelboot.

Sowohl die ausgeprägten Konturen und die flächige Malweise als auch das Arbeiten mit Komplementärfarben und die Komposition der Figurengruppen in Les baigneuses (die Badenden) zeugen von Girieuds stilistischer Orientierung an Gauguin.

Drei Jahre vor Entstehung dieses Gemäldes reiste Girieud mit der Intention in die Toskana, die Antike und die frühe italienische Malerei zu studieren. Der Aufenthalt in Italien inspirierte ihn dazu, biblische sowie mythologische Themen in seine Malerei einfliessen zu lassen. Nicht nur der Alternativtitel Petit Lesbos (Kleines Lesbos), sondern auch die in einer nahezu melancholischen Lethargie und mit antikisierter Haartracht dargebotenen Badenden zeugen von dieser Auseinandersetzung mit der Mythologie. So lässt sich schliesslich das Gemälde als Porträt der zahlreichen Töchter des ersten mythologischen Königs von Lesbos lesen, die sich ihrem höfischen Müssiggang hingeben.