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Künstlerförderung

Rudolf Urech-Seon

Als die Schweizer Malerei in den 1930er-Jahren die Idylle suchte, schaute er genau hin und suchte in der Natur die geometrische Form: Der spät zur Kunst berufene Seoner Flachmaler und Absolvent der Kunstakademie München, Rudolf Urech (1876–1959). Die ungegenständliche Kunst war damals längst erfunden, doch im Aargau blühte nach wie vor der Spätimpressionismus und für Unbekanntes hatte man kein Verständnis. Urech-Seon hatte somit nur eine Möglichkeit: Seinen Weg allein zu suchen. Er war dabei nicht ein Grossstädter in ländlicher Umgebung, sondern ein Einzelgänger, der die abstrakte Kunst für sich noch einmal erfand; in seinem Atelier-Schopf in Seon.

Galerie Bromer besitzt einen Teil des Nachlasses von Rudolf Urech-Seon und setzt sich dafür ein, dass die bemerkenswerten Werke dieses zu unrecht verkannten Künstlers erneut Anerkennung finden. In diesem Zusammenhang unterstützte die Galerie die Erstellung der ersten umfangreichen Künstlermonographie «Tritt in die Neuzeit. Die Wiederentdeckung des Künstlers Rudolf Urech-Seon – ein Antiheld der Moderne». Zudem widmete die Galerie dem Œuvre des Künstlers eine Einzelausstellung 2017/18 in Roggwil und 2020 in Zürich.

Rudolf Urech-Seon »Baumstämme«, 1938, Inv.-Nr.1-2800
Rudolf Urech-Seon »Landschaft beim Schützenhaus«, 1920, Inv.-Nr.1-1991

Rudolf Urech-Seon - Composition, 1935

Rudolf Urech-Seon »Tanne am Abgrund«, ohne Jahr, Inv.-Nr.5-793

Rudolf Urech-Seon - Der Ausfall, 1956

Zum Künstler
Rudolf Urech-Seon
Seon, 1876 — 1959

Nach der Flachmalerlehre gründete Rudolf Urech-Seon (1876, Seon – 1959, Seon) 1905 in seinem Heimatdorf Seon im Kanton Aargau ein Malergeschäft und heiratete im selben Jahr Marie Baumann. Trotz einer gesicherten familiären und beruflichen Situation entschied sich Urech von 1913 bis 1916 die Münchner Kunstakademie zu besuchen und eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. 1918 kehrte er nach Seon zurück und verlässt ab dann das Dorf nur noch selten.
Rudolf Urech-Seon begann seine künstlerische Karriere als naturalistischer Landschaftsmaler, was ihm 1920 zu einer Mitgliedschaft in der Gesellschaft Schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten (GSMBA) und kantonalen Ausstellungen verhalf. Aber schon bald entwickelte er Kompositionen, in denen er sich auf die konstruktiven Elemente wie Linie, Fläche und Rhythmus konzentrierte, was bis hin zu einer abstrakten Kunst mit geometrischen und rund schwingenden Formen in intensiven Farben führte. Urech-Seon wird damit zum ersten und lange Zeit einzigen abstrakten Maler im Kanton Aargau.
In seinen heimischen Künstlerkreisen wurde sein Weg in die Abstraktion jedoch stark kritisiert. Mangels Gleichgesinnten in der regionalen Künstlerschaft orientierte sich Urech-Seon an den Ausstellungen der Avantgarde in Zürich und Basel (1932 Picasso, 1933 Braque, 1938 Le Corbusier) und fand dort die Bestätigung für seinen eigenen künstlerischen Weg. Erst als der Künstler 1947 der Allianz (Vereinigung der modernen Künstler in der Schweiz) beitrat, erfährt seine Arbeit Anerkennung. Folglich konnte er seine Werke in den drei Allianz-Ausstellungen im Kunstverein St. Gallen (1947), im Kunsthaus Zürich (1947) und im Helmhaus Zürich (1954) zeigen, sowie 1948 und 1950 im Rahmen des Salon des Realités Nouvelles in Paris.