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Buchpublikation

Rudolf Urech-Seon (1876-1959) «Tritt in die Neuzeit»

Das Buch «Tritt in die Neuzeit» wird fast 60 Jahre nach dem Tod Rudolf Urech-Seons (1876 – 1959) herausgegeben. In den vergangenen Jahren hat Christian Herren den Nachlass des Schweizer Künstlers im Auftrag des Kurators des Nachlasses, Daniel Gutscher, aufgearbeitet und in Zusammenarbeit mit dem Grafiker Anatole Comte das inhaltliche und grafische Konzept des Buches entworfen.

Comte und Herren wurden Anfang der 1990er-Jahre geboren, Urech-Seon datierte sein letztes Werk («Composition», 1959) in das Jahr 1989 und vermerkte in seinem Notizbuch: «Man malt doch nicht nur für diese kurze Spanne Zeit, Jahrtausende sind vorübergegangen.» Die vordatierte «Composition» erinnert an ein Werk aus dem Jahr 1957, welches den Titel «Tritt in die Neuzeit» trägt. Beide Werke weisen flächigmonochrom aufgetragene Formen in reduzierter Farbpalette auf. Ein wesentlicher Unterschied ist eine Öffnung auf gelbem Grund, welche nur auf dem letzten Werk auftaucht. Vielleicht ist es eine Einladung an «neuzeitliche», spätere Generationen, die sich dem vielseitigen Werk des Künstlers und vor allem dessen Grundlagen öffnen sollen. Die Genese im Werk von Urech-Seon führt vom gegenständlichen Abbilden bis zu einer konstruierten, auf wenige Formen beschränkten Darstellungsweise. Im vorliegenden Buch wird das vielseitige Oeuvre des Künstlers sowohl in der Auswahl und Platzierung der Werke als auch durch bestimmte Gestaltungselemente gewürdigt. Die Weiterentwicklung des «Villard’schen Teilungskanons» durch Urech-Seon wird in der schematischen Buchgestaltung angewendet. Die abgebildeten Werke – viele davon werden zum ersten Mal publiziert – präsentieren sich einerseits in chronologischer Reihenfolge und andererseits in thematisch-formalistischen Gruppierungen. Den Rahmen dazu bildet die Epoche, in welcher der Künstler lebte und die sich auch im typografischen Konzept von Anatole Comte niederschlägt: Initiallettern und Alinea in Anlehnung an die Schrift «neue Schwabacher» (1876) und die «Neuzeit» (1959) für den Fliesstext. Diese Epoche soll aber keinesfalls dazu verleiten, das Werk des Künstlers in einer isolierten Zeitspanne zu sehen. Urech-Seon, Gegner episodischer Zuschreibungen, löste seine futuristische Ligatur zum Signieren der Bilder ab den 1930er-Jahren nicht zufällig durch eine Unterschrift in der «veralteten» Sütterlin-Schrift ab.

Zum Künstler
Rudolf Urech-Seon
Seon, 1876 — 1959

Nach der Flachmalerlehre gründete Rudolf Urech-Seon (1876, Seon – 1959, Seon) 1905 in seinem Heimatdorf Seon im Kanton Aargau ein Malergeschäft und heiratete im selben Jahr Marie Baumann. Trotz einer gesicherten familiären und beruflichen Situation entschied sich Urech von 1913 bis 1916 die Münchner Kunstakademie zu besuchen und eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. 1918 kehrte er nach Seon zurück und verlässt ab dann das Dorf nur noch selten.
Rudolf Urech-Seon begann seine künstlerische Karriere als naturalistischer Landschaftsmaler, was ihm 1920 zu einer Mitgliedschaft in der Gesellschaft Schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten (GSMBA) und kantonalen Ausstellungen verhalf. Aber schon bald entwickelte er Kompositionen, in denen er sich auf die konstruktiven Elemente wie Linie, Fläche und Rhythmus konzentrierte, was bis hin zu einer abstrakten Kunst mit geometrischen und rund schwingenden Formen in intensiven Farben führte. Urech-Seon wird damit zum ersten und lange Zeit einzigen abstrakten Maler im Kanton Aargau.
In seinen heimischen Künstlerkreisen wurde sein Weg in die Abstraktion jedoch stark kritisiert. Mangels Gleichgesinnten in der regionalen Künstlerschaft orientierte sich Urech-Seon an den Ausstellungen der Avantgarde in Zürich und Basel (1932 Picasso, 1933 Braque, 1938 Le Corbusier) und fand dort die Bestätigung für seinen eigenen künstlerischen Weg. Erst als der Künstler 1947 der Allianz (Vereinigung der modernen Künstler in der Schweiz) beitrat, erfährt seine Arbeit Anerkennung. Folglich konnte er seine Werke in den drei Allianz-Ausstellungen im Kunstverein St. Gallen (1947), im Kunsthaus Zürich (1947) und im Helmhaus Zürich (1954) zeigen, sowie 1948 und 1950 im Rahmen des Salon des Realités Nouvelles in Paris.