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Zürich - Rämistrasse

Rudolf Urech-Seon - A Foreign Visitor

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Die Galerie Bromer freut sich, am 11. September 2020 ihren zweiten Standort an der Rämistrasse 3 im kulturellen Zentrum Zürichs zu eröffnen. Die neue Galerie nimmt die ehemaligen Räumlich-keiten des Traditionsunternehmen Bächtold Sport ein, das seit 1912 in den Denzlerhäusern der Jugendstil-architekten Bischoff und Weideli ansässig war. Die Eröffnungsausstellung präsentiert die intensiven Farbkompositionen und dynamischen Formkonstruktionen des Allianz-Künstlers Rudolf Urech-Seon (1876-1959).

Rudolf Urech-Seon - Doppelgesicht, 1950

Rudolf Urech-Seon - Der Gedüngte, 1947

Rudolf Urech-Seon - Composition, 1935

Rudolf Urech-Seon - Dreieinheit, 1947

Rudolf Urech-Seon - Das Mädel, o.J.

Rudolf Urech-Seon - Der Ausfall, 1956

Zur Ausstellung
Zur Ausstellung

Die Ausstellung Rudolf Urech-Seon – A Foreign Visitor bringt den Künstler als einen Fremden Gast – wie der Titel eines seiner Werke lautet – nach Zürich. Ein Gast, da es ihm in der Stadt nie wirklich behaglich war und es ihn stets in sein Atelier in Seon im Kanton Aargau zog. Ein Fremder, da er sich auch von seinen Zürcher KollegInnen zu jener Zeit künstlerisch unterschied und er seine unverwechselbare abstrakte Bildsprache unabhängig vom Einfluss der grossen urbanen Kunstzentren entwickelte. Selbstbewusst schuf Urech-Seon ein versiertes und vielschichtiges Œuvre, geprägt von einer mystifizierten Natur, mathematischen Formeln und fabelhaften, ausserirdischen Traumwesen.

Von 1913–1916 besuchte Rudolf Urech-Seon die Akademie der Bildenden Künste in München und unternahm Studienreisen nach Deutschland, Österreich und Italien. Nach einer intensiven Auseinander-setzung mit postimpressionistischen Ausdrucksweisen, begann Urech-Seon in den 30er Jahren anhand des Villard’schen Teilungskanons seinen Bildern ein sorgfältig berechnetes, geometrisches Linienkonstrukt zu unterlegen. Die erdigen Farbtöne dieser frühen Abstraktionen sind womöglich auf seinen damals noch starken Bezug zur Landschaft zurückzuführen. Später entwickelte Urech-Seon ein eigenes Farbvokabular, das nur aus wenigen, klaren Farben besteht, die im Gegensatz zu den erdigen Tönen unnatürlich wirken – als wären sie fiktiv und nicht von dieser Welt. Blau, Rot, Gelb, Lila und Türkis wurden zum Wieder-erkennungszeichen des Künstlers.

Während des Zweiten Weltkrieges war Urech-Seon einer der wenigen Künstler in der Schweiz, der das Weltgeschehen in seine Arbeiten einfliessen liess. So schuf er um 1940 vermehrt Werke, die eine surrealistische, organische Formensprache aufweisen und die mit teilweise klar bezeichnenden Titeln, wie Der Anschluss (1938), Dämonen (1942) oder Schwere Auseinandersetzung (1945), seine Kritik an den Kriegsgeschehnissen deutlich machen.

1947 trat Rudolf Urech-Seon der Künstlergruppe Allianz bei, der u.a. auch Max Bill, Sophie Taeuber-Arp oder Richard Paul Lohse angehörten. In den Folgejahren war er an drei Ausstellungen der Allianz – 1947 im Kunstverein St. Gallen, 1947 im Kunsthaus Zürich und 1954 im Helmhaus Zürich – vertreten und nahm 1948 und 1950 an den Salons des Réalités Nouvelles in Paris teil. In den 50er Jahren schuf Urech-Seon in stiller Zurückgezogenheit sein Alterswerk, das von einer reduzierten Formensprache, feinen Linien sowie klar definierten Flächen gekennzeichnet ist. Noch bis wenige Monate vor seinem Tod im Juli 1959 malte er unablässig neue Kompositionen und hinterliess ein umfangreiches Gesamtwerk. Posthum wurden ihm im Aargauer Kunsthaus 1976 und 1991 Einzelausstellungen gewidmet und 1981 war er mit mehreren Werken an der bedeutenden Ausstellung Dreissiger Jahre Schweiz. Konstruktive Kunst 1915–45 im Kunstmuseum Winterthur vertreten. Anschliessend blieb über Jahrzehnte hinweg sein Œuvre im Familiennachlass weitgehend vor der Öffentlichkeit verborgen.

Zum Künstler
Rudolf Urech-Seon
Seon, 1876 — 1959

Nach der Flachmalerlehre gründete Rudolf Urech (18.2.1876, Seon - 23.7.1959, Seon) 1905 in seinem Heimatdorf Seon im Kanton Aargau ein Malergeschäft und heiratete im selben Jahr Marie Baumann. Trotz einer gesicherten familiären und beruflichen Situation, entschied sich Urech von 1913 bis 1916 die Münchner Kunstakademie zu besuchen und eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. 1918 kehrte er nach Seon zurück und verlässt ab dann das Dorf nur noch selten. Fortan nennt er sich Urech-Seon, um sich vom gleichnamigen Basler Maler Rudolf Urech (1888–1951) abzugrenzen.

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