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Roggwil

Trilogie einer Weltanschauung. Werefkin - Epper - Schürch

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Die Ausstellung «Trilogie einer Weltanschauung» präsentiert drei KünstlerInnen, die in ihren Arbeiten unterschiedliche Ausdrucksformen zur Darstellung ihrer subjektiven Weltsicht verwendeten. Marianne von Werefkin, Ignaz Epper und Johann Robert Schürch verzerrten, verformten und intensivierten die Realität, um so ihre Wahrnehmung der Welt und ihre Emotionen auf den Betrachter zu übertragen. Der Erste Weltkrieg, die Industrialisierung, die Vereinsamung des Individuums sowie Armut und soziale Ungleichheit waren ihre zentralen Themen. Aber auch die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und einem Leben im Einklang mit der Natur manifestierte sich in ihren Arbeiten. In den 1930er Jahren lernten sich Werefkin, Epper und Schürch in Ascona, einer damals wachsenden internationalen Kunstszene, kennen und beeinflussten sich folglich in ihrem Schaffen gegenseitig.

Bitte beachten Sie, dass die Ausstellung in Roggwil nach der Eröffnung nur nach Terminvereinbarung besucht werden kann. Eine Besichtigung kann telefonisch oder per E-Mail vereinbart werden.

Besuchen Sie auch den Online Viewing Room zur Ausstellung.

Ignaz Epper, Promenade, 1927

Ignaz Epper, Quaibrücke Zürich, o. J.

Johann Robert Schürch, Bordellszene, o. J.

Marianne von Werefkin »Passlandschaft«, 1929, Inv.-Nr.216-4

Marianne von Werefkin, Der grüne Berg, 1910

Johann Robert Schürch, Der Künstler und der Tod, o. J.

1907 schuf Marianne von Werefkin (1860, Tula – 1936, Ascona) ihre ersten expressionistischen Gemälde und war später Mitglied der Künstlergruppe Blauer Reiter. Sie verkehrte in den bedeutendsten Künstlerkreisen Europas und übte starken Einfluss auf die Entwicklungen diverser Malstile ihrer Zeit aus.
Ab 1918 lebte Werefkin in Ascona, wo sie sich aktiv für die dort ansässigen Kunstschaffenden einsetzte. Hier intensivierte sie ihre poetische Bildsprache, die allgemein erzählerischer und hintergründiger wurde. Romantik, Symbolismus und Spiritualität bildeten die Basis für ihren künstlerischen Stil, mit dem sie ihren inneren Landschaften Ausdruck verlieh. Vibrierende Farben und Formen reflektieren in Verbindung mit symbolistischen Elementen eine Fülle an Emotionen mit einem dominierenden Pathos. Zudem wollte Werefkin mit ihrer Kunst ethische Werte vermitteln und verband so sozialkritische Aussagen mit einem lyrischen Expressionismus.

Die harten sozialen und familiären Bedingungen, unter denen Ignaz Epper (1892, St. Gallen – 1969, Ascona) aufwuchs, bildeten die Grundlage für die Motive seiner Arbeiten. Unruhe, Gewalt, Angst und die Zerrissenheit der Kriegsjahre fasste Epper besonders in seinen Holzschnitten und Kreidezeichnungen in eine künstlerisch expressive Form. Sein Stil ist von einer vereinfachenden, verzerrenden Formensprache geprägt. Zahlreiche kantige Linien umzeichnen die menschlichen Körper gerüsthaft und spannen den Raum in eine dynamische Perspektive ein.
1932 siedelte Epper von Zürich nach Ascona über. Der Ortswechsel markiert auch eine Zäsur in seinem Œuvre. Thematisch und stilistisch kehrte eine Ruhe in seinen Arbeiten ein, die er nun vermehrt in Öl- und Aquarellfarben fertigte. Vertrat Epper in seinem Frühwerk noch einen stark sozialkritischen Expressionismus, wird dieser in Ascona lyrischer und meditativer. Die Farben und Formen werden sanfter und es ist ein Fokus auf die Tessiner Landschaft festzustellen, wie dieser auch bei Werefkin zu finden ist.

Johann Robert Schürch (1895, Aarau – 1941, Ascona) verlor schon früh seinen Vater und seine beiden Schwestern, weshalb er eine enge Beziehung zu seiner Mutter entwickelte. Mit ihr zog er sich 1922 für seine künstlerische Weiterentwicklung zehn Jahre in Monti bei Locarno zurück und lebte dort weitgehend isoliert und in ärmlichen Verhältnissen. In dieser Zeit fand er zu seinem eigenen ausdrucksstraken Stil, den er vorwiegend in Feder- und Tuschezeichnungen umsetzte. 1934 ging Schürch nach Ascona und fand dort schnell Anschluss in den ansässigen Künstlerkreisen um Werefkin.
Als Inspirationsquelle diente Schürch der literarische Realismus, durch den er die Protagonisten für seine pessimistische, visionär-groteske Bildwelt fand. So entstanden derbe Porträts, die stilistisch der Neuen Sachlichkeit nahestehen, aber auch surrealistische Fantasieszenen. In seinen Arbeiten schwingt stets ein sozialkritischer Ton mit, durch den Schürch auf die damaligen Missstände hinweist.

 

 

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